Interview mit Carl Ahner

Es ist schon eine Weile her, seit wir das letzte Interview mit einem Fotografen geführt haben. Es wird Zeit! Wir stellten Carl Ahner ein paar Fragen zu seiner Persönlichkeit und der Art, wie er Fotos macht. Seine Antworten sind sehr interessant und präzise. „Die Welt hat ihre eigene Ästhetik.“ Wer mehr Fotos sehen will, der schaut am besten mal auf seiner Website vorbei. Es lohnt sich.

Carl Ahner Fotografie

Erzähle uns ein bisschen etwas über dich –  Der unbeliebte Standard unter den Einstiegsfragen, hm? Egal, ich rede ja gern. Aber nicht nur; ich liebe es mich zu bewegen. Und ich stell gern Sachen auf die Beine. Muss zwar zugeben, dass ich nicht die Ehrgeizbombe in Person bin, aber es wäre schon echt nervig, wenn man immer wieder gute Ideen hat, und nie würde was dabei rauskommen. Allerdings mag ich minimal, nicht nur musiktechnisch. Daher vielleicht auch meine drei großen Freizeitinteressen; Kamera, Gitarre, Fahrrad – in die Hand nehmen und los geht’s.

Die Fotos und ich – Alles fing damit an, dass ich meinen Großvater immer gefragt hab, ob ich mal seine Kamera haben darf. Klingt voll stereotypisch, oder? War wirklich so. Irgendwann mit 14 gab es zur Jugendweihe dann eine Knipskiste, mit der ich dann zigtausend Fotos gemacht hab. Wenn ich jetzt so darüber nachdenke, waren aber die Momente mit Opas D70 schon die prägendsten; man merkt, dass man alles festhalten will, was einen begeistert, um es später teilen zu können, oder sich einfach bildlicher daran erinnern zu können. Natürlich sind für mich mittlerweile auch andere Aspekte dazu gekommen. Eine kleine Digitalkamera bot mir erstmal die Möglichkeit so oft den Auslöser zu drücken, wie ich wollte, wodurch bald klar wurde, worauf ich meinen eigenen Fokus legen würde. Die Technik, die ich nun mein eigen nenne, ermöglicht mir natürlich weit mehr, als der Handgelenkbeschwerer von davor. Einer der nun wichtigsten Aspekte für mich ist daher die Fotografie als Ausdrucksmittel.

Was bedeutet die Fotografie für dich? – Um gleich Anschluss an das eben gesagte zu nehmen; ich erwische mich dennoch immer wieder dabei, wie ich auch ohne Kamera durch die Welt laufe und dabei die vier Ecken und Kanten vor mir sehe. Die Welt hat ihre eigene Ästhetik. Eine sehr komplexe Ästhetik, die in ihrer Gänze nur schwer zu empfinden ist. Ich rede nicht von schön und hässlich. Ich rede davon, dass man alles mit den Sinnen begreifen kann, jeder auf seinem Weg (manchmal schließe ich die Augen und spiele Gitarre). Genau dann, wenn man etwas spürt. Wenn die Welt auf einen wirkt. Oder wenn man auf die Welt wirken will? Für mich hängen Empfinden und Ausdruck sehr nah zusammen. Ihr merkt, das Viereck ist für mich nicht der einzige Weg, aber dennoch ein sehr frequentierter. Denn auch das Viereck hat seinen Charme. Es ist in gewisser Weise das Gegenteil dieser Welt. Dadurch passt es als Mittel des Ausdrucks so passend.

Carl Ahner Fotografie

Wie würdest du deinen eigenen Stil beschreiben? – Über Stil habe ich mir nicht viele Gedanken gemacht, ich finde es nicht so wichtig, einen bestimmten Stil zu haben. Erstens bin ich eh gern vielseitig, und weiterhin ist Stil doch nur Definitionssache. Hat nicht jeder seinen Stil? Wenn man jemanden oder etwas als stillos bezeichnet, heißt das doch oft nur, dass man ein anderes Empfinden dafür hat. Oder, dass es sich scheinbar nicht genügend abhebt, um den Stil klar mit Worten beschreiben zu können. Aber lass mich kurz noch etwas versuchen.

Ich habe mir bei der Vernissage meiner ersten Ausstellung eine ganze Weile die Beschreibung und den Aufbau einer CNC-Fräse anhören dürfen. Worauf der, letztendlich doch sehr kunstempfängliche, Maschinenbauer hinauswollte, war, dass die Romantik von allein kommt. Jedes Bauteil der Maschine ist anders, hat seine eigenen Ecken, Kanten, Kurven. Die Teile scheinen nicht zusammen passen zu wollen. Doch im gesamten ergeben sie eine Maschine. So ist es mit einer Ausstellung. Sie soll im gesamten Sinn ergeben. Was meinen Stil nun betrifft; ich glaube, viele meiner Bilder wirken allein besser als in einer Serie. Aber das passiert unbeabsichtigt.

Carl Ahner Fotografie

Gibt es Dinge, die dich inspirieren? – Wie sicher schon deutlich geworden ist, besteht meine Inspiration genau in dem, was ich sehe und dann auch ablichte. So ist es zumindest meistens. Manchmal sehe ich auch nur ein, für mich, unvollständige Bild, welches mich dazu motiviert es nach meiner Vorstellung zu vollenden. Bisher habe ich zumindest weniger komplett inszenierte Dinge fotografiert. Viel wichtiger ist für mich die Frage, warum ich in derselben Umgebung manchmal den Finger gar nicht mehr vom Auslöser nehme, und dann wieder meine Kamera nicht einmal anschalte. Es sind wohl verschiedene Aspekte, die in unterschiedlichen Konstellationen zu einem bestimmten Verhalten führen. Das Licht, die Laune, das Maß der Konzentration (auf anderes), die Zeit. Aber ich möchte auf andere Fotografen verweisen, die auch schon festgestellt haben, dass Musik beim Fotografieren Wunder bewirken kann.

Mein persönliches Lieblingsgebiet – …ist wahrscheinlich die Peoplefotografie. Oder klassisch: das Portrait. Wobei sich die Definition von Portrait (glücklicherweise) sehr geweitet hat. In Fotos von Menschen steckt für mich die tiefste Aussage, am meisten Charakter und vor allem die wirkliche Einzigartigkeit. Eine Landschaft mit aufregendem Himmel und tollem Licht bekommt man sicher auch noch einmal. Ich halte Landschaft, Architektur oder auch Produktfotografie aber deshalb nicht für minderwertig, denn hier bewundere ich die Geduld, die Idee, den Aufwand bei der Entstehung eines Fotos. Auch Action löst natürlich eine ganz eigene Begeisterung aus. Es ist einfach etwas anderes. Mir jedoch gibt das oft spontane Fotografieren von Menschen irgendwie am meisten. In einem Foto steckt dann nämlich viel mehr Persönliches drin. Es geht nicht um lächeln oder grimmig schauen. Fast egal welche Emotion; oft spiegelt sich sogar die Beziehung zum Fotografen darin wieder. Insgesamt ist es aber nur eine dezente Vorliebe. Ich empfinde oft für simple Linien und Formen genauso viel wie für lebendige Schönheit oder auch eine gesamte Geschichte in einem Bild.

Carl Ahner Fotografie

Wen oder was ich gern einmal fotografieren möchte – Das ist entweder eine sehr interessante Frage, oder eine nicht beantwortbare Frage. So spontan fällt mir da gar nichts ein. Allerdings bin ich auch recht vergesslich. Ich zähl jetzt mal nicht die ganzen Orte auf, an die ich gern mal reisen würde, natürlich auch um Fotos davon zu machen. Vielmehr gibt’s wohl ein paar Menschen in meinem Freundeskreis, die ich gern mal gezielt fotografieren möchte, einfach weil ein Bild mehr sagt, als tausend Worte.

Wann ist ein Foto für dich perfekt? – um die ewige Diskussion mal zu übergehen; ein Foto ist in meinen Augen sicher nicht dann perfekt, wenn es perfekt ist. Ich bin zufrieden mit einem Foto, wenn die Bildelemente und der Bildstil mir das zeigen, was ich im Moment der Aufnahme empfunden habe. Perfekt ist es dann, wenn mir der Betrachter zeigt, dass das Bild dieselbe Wirkung auf ihn hat.

Digital oder gedruckt? – Nun, das hat für mich nichts mit besser finden zu tun. Digital ist für mich einfach der Weg, um mit meinen Mitteln und Vorstellungen Bilder zu machen, sie zu vollenden, sie zu speichern und auch zu zeigen. In unregelmäßigen Abständen pack ich einfach einen USB-Stick voll und hol mir Drucke von den Bildern, die in den letzten Wochen oder Monaten eine größere Bedeutung für mich hatten. Allerdings fotografiere ich auch ab und an mit meinen analogen Kameras, wobei für mich außer Frage steht, die Bilder entwickeln und abziehen zu lassen. Aber ich könnte mir auch Vorstellen in Zukunft nicht nur mehr Drucke für weitere Ausstellungen anfertigen zu lassen, sondern auch Fotos mit anderen nicht-digitalen Disziplinen der Kunst zu verknüpfen. Ist halt einfach immer die Frage was man will und wie es wirken soll.

Kaffe oder Tee? – Ich frag mich ja, ob jemals schon einer einfach mit Kaffe oder Tee geantwortet hat. Wenn ich geschwollene Mandeln habe, wie gerade, trink ich Tee. Aber sonst lieber Kaffee. Aber nicht mehr als 2 Tassen am Tag. Und auch nicht als Teil der 3 Ks am Morgen.



  • Geschrieben am 20.Mai 2012,
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