Alles ist Chrome

Es sieht tatsächlich so aus, als würde Google bald die Weltherrschaft übernehmen. Schleichend, aber immer zielsicher. Kaum hat es unsere Windows-Computer und Macs mit Google Diensten unterwandert und unsere Smartphones sein Eigen gemacht. Google hat in der rein virtuellen Welt angefangen und diktiert nun unser reales Leben. Auch wenn Microsoft hier und da was an Daten abzweigt und Apple unsere Fingerabdrücke fleißig sammelt, ist Google wohl am weitesten in unser reales Leben vorgedrungen. Mit dem eigenen Betriebssystem Chrome OS will der Konzern, der mit einer Suchmaschine angefangen hat, die Grenze zwischen virtuellem und realem Leben aufheben. Willkommen in der Cloud!

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Acer, Samsung und HP sind die Hersteller der Stunde: Sie stellen die sogenannten Chromebooks her, Notebooks mit dem Google-Betriebssystem Chrome OS. Großangelegte Werbekampagnen mit dem Acer C720 und dem HP 11 machen auf allen YouTube-Kanälen (und in ausgewählten Großstädten auch auf Plakaten) den Mund geradezu wässrig nach einem Chromebook. Google will uns weismachen: Chromebooks sind cool, anders als alles Andere und süßer als Katzenbabys. Ob diese Strategie zieht? Zumindest kaufen alle Hipster die Chromebooks auf Amazon, Cyberport und Notebooksbilliger.de leer. Wer noch eines will, bekommt jetzt einen Geheimtipp. Bei Otto kann ganz entspannt noch eines der heiß begehrten Chromebooks bestellt werden. Aktuell sogar Versandkostenfrei.

Was es zu bieten hat? Es ist billig, schnell im Internet unterwegs und bootet dank SSD in drei Sekunden. Und sonst so? Das war’s eigentlich auch. Da man auf Chrome OS (das auf Linux basiert) beschränkt ist, ist das Chromebook eher ein Tablet mit physischer Tastatur als ein PC. Alles, was man auf dem Gerät macht, soll sich in der Cloud abspielen. Einen klassischen Desktop, auf dem man Ordner, Dateien oder Widgets ablegt, gibt es nicht. Die am Bildrand angedockte App-Shortcuts-Leiste öffnet, egal, welche App angeklickt wird, den Chrome-Browser — in ihm spielt sich alles ab. Programme sind Online- oder Offline- (packaged) Apps, die man aus dem Chrome Web Store beziehen kann. Mehr bietet das Chromebook nicht. Ohne Internetanschluss ist es (im Moment) fast unnütz.

Unbenannt

All das ist jedoch für Viele kein Grund, Chrome OS abzuschreiben. Denn sie wissen genau, dass das Chromebook eine ganz bestimmte Nische abdeckt: Es ist für Menschen gedacht, die ihr primäres Notebook lieber zuhause als unterwegs nutzen wollen; Nutzer, die ein schnell bootendes Netbook möchten und die ein Kaputtgehen oder einen Diebstahl einkalkulieren (Kosten eines Chromebooks je nach Modell: 250 – 350 Euro); Surfer, die sowieso alles in der Cloud ablegen, auf einem 11-Zoller keine Filme schauen oder Bilder bearbeiten wollen, aber dennoch eine Tastatur benötigen. Die Nische dieser Personen wächst stetig, und schon bald ist die Weltherrschaft Google sicher. Um Chrome OS wird es in sicherlich noch lauter werden



  • Geschrieben am 11.Dezember 2013,
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